Pfaffenhofen >> Kultur & Kreatives >> Filmkunsttage: Der besondere Film
Der besondere Film:
Es kommen Filme zur Aufführung, die nicht dem "mainstream"-Kino angehören, die in den Filmkritiken zwar als sehr sehenswert eingestuft werden, die aber dennoch nur zum geringen Teil den Weg in die Kinos finden. Bei guten Filmen lohnt es sich sehr, über sie zu reden. Oft wird man sich erst dann ihrer besonderen künstlerischen Qualität bewusst. Deshalb laden wir nach der Aufführung des Filmes zu einer kleinen Gesprächsrunde im Kino-Bistro ein. Es moderiert Peter Dorn, der zusammen mit Pia Schafft für die Auswahl der Filme sorgt.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Die kanadische Reise

Di, 06.02.2018, 19:30 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5730
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Genre: Familiendrama
Herkunftsland/Jahr: Frankreich 2016
Regisseur: Philippe Lioret
Drehbuch: Philippe Lioret, Natalie Carter
Darsteller: Gabriel Arcand, Pierre Deladonchamps
Länge: 98 Min

Menschen, die sich auf eine Reise machen, sind ein Thema, das sehr häufig in Filmdramen vorkommt; sei es, dass sie durch äußere Umstände oder einen besonderen Anlass dazu gebracht werden, ihre gewohnte Umgebung aufzugeben, sei es, dass neue Erkenntnisse, ein inneres Bedürfnis sie zu diesem Schritt ermuntert. Immer führen solche Reisen auch zu einem Wandel ihrer Persönlichkeit, sie machen gewissermaßen auch eine innere Reise durch.

Der Film, den die vhs im Rahmen ihrer bekannten Reihe zeigt, handelt von so einem Menschen. Es ist Mathieu, ein 33-jähriger Franzose, der in Paris lebt. Sehr zufrieden ist er mit seinem Leben nicht. Er hat einen langweiligen Job als kaufmännischer Angestellter, ist geschieden und hat einen Sohn, den er sehr gerne mag. Regelmäßig besucht er ihn am Wochenende. Nebenher versucht er sich als Autor von Kriminalromanen.
Dieses Mal aber kann Mathieu das Wochenende nicht mit seinem Sohn verbringen, denn er erfährt durch einen Anruf, dass sein Vater in Quebec gestorben ist und der unbekannte Anrufer ihm nun ein Paket schicken will, das der Verstorbene ihm hinterlassen hat.
Mathieu trifft das sehr, denn bisher hat er überhaupt nicht gewusst, wer sein Vater ist. Die verstorbene Mutter hat seine diesbezüglichen Fragen immer abgetan. Er sei nur das Ergebnis einer einzigen nächtlichen Begegnung gewesen und nichts weiter. Irgendwann hat Mathieu aufgeben, weiter nachzubohren.
Umso überraschter ist er nun und ihn packt die frühere Sehnsucht, mehr über seinen unbekannten Vater und dessen Lebensumstände zu erfahren.
Der Anrufer gibt sich als Pierre zu erkennen, der ein langjähriger Freund des Vaters war. Obwohl dieser eigentlich davon abrät, macht sich Mathieu sofort nach Kanada auf, um wenigstens an der Beerdigung seines unbekannten Vaters teilnehmen zu können.
Dort erfährt Mathieu, dass er auch noch zwei Halbbrüder hat, die er ebenfalls kennen lernen möchte. Pierre reagiert skeptisch und nur unter der Bedingung, seine wahre Herkunft nicht zu verraten, darf er ihnen begegnen. Schließlich sollten die trauernden Hinterbliebenen nicht auch noch von dem damaligen Seitensprung des Vaters erfahren.
Und so macht Mathieu Bekanntschaft mit seiner neuen Familie. Da Pierre immer an seiner Seite ist, begegnet er auch dessen Familie und allmählich klärt sich für ihn - und den Zuschauer Manches, was bisher dunkel und unverständlich war.

Der französische Regisseur Philippe Lioret, der als Meister des leisen, gefühlvollen Kinos gilt, hat mit Die kanadische Reise ein bewegendes Familiendrama um ein problematisches Kennenlernen geschaffen. Unaufgeregt, aber spannend erzählt er von der Suche eines Mannes nach seiner Herkunft und nach sich selbst.
Nach dem Film gibt es die Möglichkeit zum Gespräch. Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Ma Ma - Der Ursprung der Liebe

Di. 06.03.2018, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5732
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Filmprojekt in Zusammenarbeit mit Fr. Adlkofer von der psychozozialen Krebsberatungsstelle Ingolstadt, noch kein Film ausgewählt.

Genre: Drama
Herkunftsland/Jahr: Spanien/Frankreich 2015
Regisseur: Julio Medem
Drehbuch: schrieb auch das Drehbuch
Darsteller: Penelope Cruz, Luis Tosar, Asier Etxeandia
Länge: 122 Min.

Filme über den Umgang mit unheilbaren Erkrankungen sind mittlerweile ein eigenes Genre geworden. Meist sind es weibliche Hauptfiguren, die angesichts des herannahenden Todes über sich und den Sinn des Lebens reflektieren.
Auch das Drama, das am kommenden Dienstag, den 6.3.2018 um 20.00h im CineradoPlex zu sehen sein wird, beschäftigt sich mit dieser Thematik.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Magda, großartig dargestellt von der spanischen Oscar-Preisträgerin Penelope Cruz. Sie hat es wahrlich nicht leicht: Eben hat sie ihre Anstellung als Lehrerin aufgeben müssen, weil der von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelte spanische Staat sie nicht mehr bezahlen kann. Nun verlässt sie auch ihr Mann, der seinen Urlaub lieber mit einer seiner Studentinnen verbringen will. Doch eines Tages erhält sie die bislang schwerwiegendste Nachricht: Brustkrebs. Um ihren Sohn Dani nicht zu ängstigen, schweigt sie über ihre Krankheit und sucht allein auf sich gestellt die notwendigen Therapiesitzungen auf.
Anlässlich eines Fußballspiels ihres Sohnes lernt sie den einfühlsamen Talentscout Arturo kennen, der von den sportlichen Fähigkeiten Danis recht beeindruckt ist. Noch während der Partie erhält Arturo einen schockierenden Telefonanruf: Seine Frau und seine Tochter hatten einen Verkehrsunfall. Seine Tochter ist tot und seine Frau liegt mit Koma im Krankenhaus. Magda begleitet ihn dorthin, um den schwer Getroffenen beizustehen. Beide sehen sich nun häufiger. Magda kann im Trost spenden, einen Trost, der sie selbst stärkt und ihr neuen Mut zum Leben gibt. Aber auch Arturo trägt dazu bei, dass beide nicht in Selbstmitleid versinken. Er bietet ihr Freundschaft, Beständigkeit und Halt und als seine Frau nach einigen Wochen stirbt, gründet er mit ihr und Dani eine neue Familie.
Für Magda aber scheint dies nur eine kurze Erholungspause zu sein. Der Krebs meldet sich wieder und da ist auch noch der gut aussehende Gynäkologe Julian mit seiner schmachtend schönen Stimme, der ihr Herz tief berührt….
Julio Medem, der Regisseur, widmet sich in seinem lichten, lebensbejahenden Film der mutigen Geschichte einer Mutter, die in größter Not neuen Mut schöpft und sich trotz aller Schicksalsschläge nicht unterkriegen lässt. Er erzählt von einer Frau mit übermenschlichen Kräften, die trotz schwerer Krankheit auf die Liebe setzt.
Penelope Cruz zeigt sich dabei äußerst verletzlich und facettenreich – eine schauspielerische Höchstleistung, für die sie zu Recht eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin für den „Goya“, den spanischen Filmpreis, erhielt.
Nach der Vorstellung besteht die Möglichkeit zum Gespräch über den Film. Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen. Mitglieder der Krebsberatungsstelle des Landkreises Pfaffenhofen werden dabei anwesend sein, um über spezielle Fragen zu Thematik Auskunft geben zu können.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Der seidene Faden

Di. 10.04.2018, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5733
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Genre: Ehedrama
Herkunftsland/Jahr: USA 2017
Regisseur: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville
Länge: 131 Min

Für sechs Oscars wurde Paul Thomas Andersons Filmdrama nominiert, hat aber dann doch nur einen erhalten und zwar für das „Beste Kostümdesign“. Sicherlich hätte er mehr verdient, vor allem für die beiden Hauptdarsteller, den mehrfachen Oscarpreisträger Daniel Day-Lewis und die junge Luxemburgerin Vicky Krieps.
Aber der Film ist wirklich ein „Augenschmaus“, wie ein Kritiker schrieb und schon allein deswegen lohnt es sich, in die herrliche Bilderwelt voll Opulenz und Luxus einzutauchen.
Das Beziehungsdrama Der seidene Faden, das die vhs am kommenden Dienstag, den 10.4.18 um 20.00h in CineradoPlex zeigt, führt den Zuschauer nach London, in die Modewelt Anfang der 50er Jahre. Deren unbestrittener Star ist der Modeschöpfer Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis). Er ist der bekannteste Schneider der Stadt und betreibt erfolgreich das Edel – Label „The House of Woodcock“. Er entwirft teure und prunkvolle Mode für die bessere Londoner Gesellschaft. Die britische High Society einschließlich der Royals geht ebenso bei ihm aus und ein wie reiche Amerikanerinnen oder der europäische Festlandadel.
Fest an seiner Seite steht dabei seine rigorose ältere Schwester Cyrill (Lesley Manville). Sie führt die Geschäfte und hält ihm auch sonst den Rücken frei.
Das ist gelegentlich notwendig, denn Reynolds ist ein gefragter, aber auch überzeugter Junggeselle. Er hat auch immer wieder Affären, die ihm zur Kreativitätssteigerung und Inspiration dienen, aber er ist viel zu sehr auf sich und seine Arbeit fixiert, als dass er sich auf eine gleichberechtigte Partnerschaft einlassen könnte. Es ist dann Aufgabe seiner Schwester, die ihm überdrüssig Gewordene kühl den Laufpass zu geben.
So könnte es auch mit der jungen Alma (Vicky Krieps) ablaufen, die Reynolds anlässlich einer Landpartie in einem Hotel kennen lernt. Beide fühlen sich sofort zueinander hingezogen und es dauert nicht lange, bis die Zwei eine Beziehung eingehen. Am Anfang läuft noch alles wunderbar, doch dann zieht immer mehr der Alltag ein. Schon die gemeinsamen Frühstücke, bei denen auch immer Schwester Cyrill anwesend ist, werden ein Problem. Reynolds fühlt sich schnell in seiner Arbeit gestört, weil nicht alles genau nach seinem Willen abläuft. Wieder ein Fall für Cyrill?
Es kommt anders. Zwar schaut Alma zu ihm auf. Sie ist seine Muse und wird von ihm in die Gesellschaft eingeführt. Aber sie ist viel zu selbstsicher und willensstark, um klein beizugeben und sich klaglos in sein Regime einzufügen. Bald begegnet sie ihm auf Augenhöhe und er steht vor dem schmerzhaften Prozess, jemand anderen in sein Leben hereinzulassen. Er fürchtet, die Kontrolle über sich und seine Gefühle zu verlieren und sein sonst so streng geplantes Leben gerät ins Wanken.
Sie lieben einander, aber diese Liebe ist immer auch eine Machtprobe zwischen den beiden.
Anderson hat diese Beziehungsgeschichte äußerst sorgfältig und präzise inszeniert, wobei das langsame Erzähltempo dem Zuschauer genügend Zeit lässt, auch dunklere Zwischentöne wahrzunehmen.
Beeindruckend ist die schauspielerische Leistung der schon genannten Hauptdarsteller. Daniel Day-Lewis hat sich penibel auf die Rolle vorbereitet, so dass man ihm den exzentrischen Modeschöpfer jeden Moment abnimmt. Ähnlich ist es auch mit Vicky Krieps, deren selbstbewusste Natürlichkeit einen äußerst reizvollen Kontrast zu ihm darstellt.
Mit dem Drama Der seidene Faden hat Regisseur wieder ein außergewöhnliches filmisches Kunstwerk geschaffen, das sich würdig in die Reihe seiner schon mehrfach Oscar prämierten Werke einreiht.
Nach der Vorstellung besteht die Möglichkeit zum Gespräch. Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen.

Filme, die ebenfalls sehenswert sind:

Lucky, Drama von John Carroll Lynch; Harry Dean Stanton in seiner letzten Rolle; USA 2017
Call Me by Your Name, Jugenddrama von Luca Guadagnino; I/F/BR/USA 2017
The Florida Project, Familiendrama von Sean Baker; USA 2017


Filme, die von Filmkritikern sehr positiv bewertet wurden:

Game Night, Kriminalkomödie von John Francis Daley und Jonathan Goldstein; USA 2018
Zwei Herrn im Anzug, Familiensaga von Joseph Bierbichler; D 2018



Nächster Termin für die Reihe „Der besondere Film“: Ausnahme: in Zusammenarbeit mit den Interkulturellen Tagen bereits am Dienstag, der 24.04.2018, 20.00h
Titel des Films: Félicité, Frauendrama aus Kinshasa, Kongo

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Félicité

Di. 24.04.2018, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5734
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Filmprojekt im Rahmen der Interkulturellen Tage:
Félicité, Familiendrama von Alain Gomis; Frankreich, Spanien, Belgien, Deutschland, Libanon
2017

Félicité (Véro Tshanda Beya) lebt mit ihrem Sohn Samo (Gaetan Claudia) in Kinshasa, wo sie abends in einer Bar als Sängerin arbeitet. Doch das Singen ist für die selbstbewusste Frau viel mehr als ein Job, es ist ihre Leidenschaft und Berufung. Mit ihrer Stimme verzaubert sie nicht nur ihre Zuhörer, sondern taucht selbst in eine andere Welt ein. Als Samo bei einem Unfall schwer verletzt wird und operiert werden muss, sieht sich die sonst so unabhängige Félicité gezwungen, andere um Hilfe zu bitten, um das Geld für den teuren Eingriff zusammenzubekommen. Sie wendet sich an Freunde, Nachbarn, sogar an Wildfremde. Ihr Weg führt sie quer durch die Metropole, in der ungeheure Armut und dekadenter Reichtum direkt nebeneinander existieren. Unterstützung bekommt sie dabei von Tabu (Papi Mpaka), einem Stammgast der Bar. „Kluge Milieustudie über den Kongo, die mit einer kraftvollen Heldin begeistert“ (Süddeutsche Zeitung); ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2017.
Bildmaterial: grandfilm.de/felicite/

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Ghostland

Di. 08.05.2018, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5735
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Filmprojekt im Rahmen der Interkulturellen Tage:
Ghostland – Eine Reise ins Land der Geister; Dokumentarfilm von Simon Stadler; Deutschland
2016

Ghostland – so nennen die Ju/‘Hoansi Europa, das Land der weißen Geister. Die Ju/‘Hoansi gehören zu den ältesten Kulturen der Welt. Doch das Leben der Nomaden hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Seit 1990 ist ihnen in Namibia verboten zu jagen, das Land ist von Farmern abgesteckt und umzäunt, die Ju/‘Hoansi müssen sich niederlassen und sind auf Zuwendung des Staates sowie aus Einnahmen durch den Tourismus angewiesen. Doch wer sind überhaupt die Menschen, die zu ihnen kommen? Eine Gruppe Ju/‘Hoansi macht sich auf, Europa zu erforschen.Die Dokumentation des Ethnologen Simon Stadler dreht sich um einen wundervollen Perspektivwechsel: Wie sieht das Leben in Europa durch die Augen eines Ju/‘Hoansi aus? Gemeinsam mit der Dokumentarfilmerin Catenia Lermer hat Stadler die einstigen Nomaden auf ihrer Reise begleitet. Herausgekommen ist ein faszinierender Rollentausch, in dem die “moderne” und “zivilisierte” Welt aus einer völlig neuen Perspektive erscheint. Im Jahr 2016 wurde die Dokumentation “Ghostland – Eine Reise ins Land der Geister” mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet.
Bildmaterial: www.ghostland-themovie.com

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Lady Bird

Di. 05.06.2018, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5736
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Genre: Mutter-Tochter-Drama, Coming-of-Age-Film
Herkunftsland/Jahr: USA 2017
Regisseur: Greta Gerwig
Drehbuch: Greta Gerwig
Darsteller: Saoirs Ronan, Laurie Metcalf
Länge: 95 Min

„Natürlich liebe ich dich!“ – „Aber magst du mich auch?“ – „Ich wünsche dir, dass du die beste Version aus dir machst.“ – „Und was ist, wenn das schon meine beste Version ist?“ – „Ach Kind…“
Das ist einer dieser leichthändig bedeutungsvollen Dialoge zwischen Christine, die „Lady Bird“ genannt werden will, und ihrer Mutter. Er beschreibt ihr kompliziertes Verhältnis, das zwischen Liebe und Streit hin und her pendelt.
Nachdem in den letzten Monaten in der Reihe „Der besondere Film“ Dramen zu sehen waren, in denen es in erster Linie um Vater-Sohn-Geschichten gegangen ist, zeigt die vhs nun einen Film, in dessen Zentrum eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung steht. Der Film ist am kommenden Dienstag, den 5.6.18 um 20.00 Uhr im CineradoPlex zu sehen.
Der Name, den sich Christine selbst gegeben hat, Lady Bird, steht für ihren festen Willen: Sie will wegfliegen, ihre ungeliebte Heimatstadt Sacramento, die die Regisseurin eher positiv gezeichnet hat, endlich verlassen und nach New York an eine Universität gehen. Sie will Mathematik studieren, hat allerdings schlechte Noten. Und sie will sich von ihren Eltern, besonders von ihrer Mutter emanzipieren.
Ihre Mutter dagegen steht mit beiden Beinen auf der Erde, ist resolut und tüchtig. Als Krankenschwester macht sie immer wieder Doppelschichten, um das klamme Haushaltsgeld aufzubessern. Denn Lady Birds Vater ist arbeitslos geworden und leidet an seiner Situation. Hier gelingt es der Regisseurin in wenigen kurzen Szenen, die Abstiegsängste der amerikanischen Mittelschicht während der Busch-Ära am Anfang der Nuller-Jahre zu skizzieren.
Zu ihrem verständnisvollen Vater hat die 17-jährige mehr Vertrauen, ihn weiht sie auch in ihre Pläne ein.
Mit ihrer Mutter jedoch gibt es nach Phasen der liebevollen Verständigung immer wieder Auseinandersetzungen, die sich explosionsartig steigern können. Sie wollen aufeinander zugehen, reden aber aneinander vorbei. Manchmal scheint es so, als würden die beiden sich selbst im Wege stehen.
Aber Lady Bird zeichnet nicht nur ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis, sondern der Film ist natürlich auch ein Coming-of-Age-Drama, ein Film über das Erwachsen werden.
Das Mädchen geht in ein streng katholisches Internat mit seinen manchmal skurrile Eigenheiten, spielt dort Theater, eckt auch schon mal an, hat eine Freundin, die sie aber wegen eines Jungen aus der reichen Oberschicht für eine Weile verlässt, hat ersten Sex, der nicht unwichtig ist, aber auch nicht spektakulär, führt insgesamt ein recht normales Leben, in dem Ernst und Komik abwechseln.
Das ist überhaupt das Besondere an Greta Gerwigs Teenager-Film: Die Regisseurin zielt nicht auf Melodramatisches ab, nicht auf das absolut Außerordentliche, Lady Bird wird nicht als etwas Besonders gezeichnet, viel mehr ist sie ein ganz normales Mädchen, mit Selbstbewusstsein, aber auch voller Selbstzweifel. Sie kann trotzig, altklug und zickig sein und manchmal auch herzlos und gemein. Oft verbirgt sich Unschuld hinter ihrer Maske der Coolness. Und so ist sie nicht unbedingt auf den ersten Blick eine Sympathiefigur, aber – und das macht den Film so anrührend – der Zuschauer wird sich ohne Mühe in ihr wiederfinden. Alles, was Lady Bird in diesem 95- Minuten-Film erlebt, hat er auch schon in der einen oder anderen Weise mitgemacht. Daher gelingt es dem Film doch, über das Normale, Alltägliche hinaus zu weisen und allgemein menschliches zu Sprache zu bringen.
Ein Kritiker schrieb: „Für eine erst 34 Jahre alte Filmemacherin ist Greta Gerwig, nicht nur ein erstaunlich lustiger, wahrhaftiger und berührender, sondern auch ein überraschend weiser Film gelungen.“ Kein Wunder, dass der Film mit vielen Preisen, darunter „Oscar“-Nominierungen, überhäuft wurde. Zum Erfolg des Filmes hat auch das exzellente Darsteller-Ensemble beigetragen, dessen schauspielerische Leistung einhellig gewürdigt wurde.
Nach der Vorstellung besteht die Möglichkeit zum Gespräch über den Film, Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag im Juli: In den Gängen

Di. 03.07.2018, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 181A5737
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Die Arbeitswelt als Schauplatz in einem Kinofilm kommt keineswegs so selten vor, wie man vielleicht vermuten könnte. Man muss dabei nicht gleich an Fritz Langs Metropolis von 1927 denken oder an Charlie Chaplin als Fließbandarbeiter in Modern Times (1935).
Auch in unserer Reihe gab es in den letzten Monaten Filme, die sich - wenn auch nicht ausschließlich - mit der beruflichen Arbeit der Protagonisten beschäftigten. Beispielsweise erzählt das Drama Western (2017) von Valeska Grisebach von Bauarbeitern auf Montage in Bulgarien. Eine ganz andere Art von Tätigkeit zeigte Thomas Andersons in der Künstlergeschichte Der seidene Faden (2017), in dem der Schneider Woodcock mit viel Hingabe, Eingebung und Gewandtheit seine Kleider entwirft und zuschneidet, um sie der weiblichen High Society Londons Anfang der 50er Jahre zu präsentieren.
Der Film In den Gängen, den die vhs am kommenden Dienstag, den 3.7. um 20h im CineradoPlex zeigt, spielt hauptsächlich in den Räumen eines Großmarktes. Nach einem kurzen Blick auf eine trostlose Parkplatzszene zeigt die Kamera zu Beginn lange Gänge in der Getränkeabteilung, in denen sich noch niemand befindet. Zu beiden Seiten sind Regale, die bis hoch hinauf zum Dach reichen und mit Getränkekästen gefüllt sind. Dazu erklingt der Walzer „An der schönen blauen Donau“ – ein wunderbarer Moment; wer würde sich da nicht an Stanley Kubricks 2001: Odysee im Weltraum (1968) erinnern?
Und schon erscheint eine Maschine, ein Gabelstapler, zunächst ganz alleine, wie von Geisterhand geführt. Dann sind die Beschäftigten zu sehen, die hier meist des Nachts ihre Arbeit verrichten.
Die wichtigste Figur unter ihnen ist Christian (Franz Rogowski), der Neue, von dem man nicht viel erfährt und der sich in die neue Umgebung erst einfinden muss. „Brauch` keine Hilfe“, blafft ihn sein Kollege zur Begrüßung an. Aber dann entwickelt sich der knurrige Bruno (Peter Kurth) doch schnell zu einem väterlichen Freund, erklärt ihm, was im Umgang mit den anderen Abteilungen zu beachten ist, wie richtig auf- und eingeräumt werden soll und vor allem zeigt er ihm Tricks und Kniffe bei der Bedienung des Gabelstaplers.
Christian redet nicht viel, ist zurückhaltend und schüchtern. Das zeigt sich besonders, wenn er Marion (Sandra Hüller) begegnet. Sie arbeitet in der Süßwarenabteilung. Eigentlich ist sie es, die auf ihn zugeht, mit ihm flirtet, ihn ein wenig aufzieht und ihn „Frischling“ nennt.
Keine Frage, dass sich Christian in sie verliebt hat, wenn er sie zwischen den Regalen hindurch beobachtet. Aber von Bruno erfährt er, dass sie verheiratet ist, unglücklich, wie es heißt. Eines Tages ist sie nicht mehr da, krankgeschrieben…
In den Gängen ist kein anklagendes Sozialdrama, wenngleich es um Menschen geht, die sicherlich etwas abseits unserer modernen Konsumgesellschaft stehen. Jeder von ihnen hat eine Geschichte, die angedeutet, aber nie ganz auserzählt wird. Zwar gibt es durchaus kleinere Reibereien zwischen den Abteilungen, aber die Kollegen gehen solidarisch miteinander um und zum Feierabend wird jedem zum Abschied die Hand geschüttelt, vielleicht wie es in den Arbeiter- Kollektiven der ehemaligen DDR einmal gewesen war.
Wenn man den Film gesehen hat, könnte es sein, dass man das Personal in den Supermärkten, das meist in großer Eile seine Arbeit macht, nun mit etwas anderen Augen betrachtet.
Thomas Stuber, der Regisseur, hat mit seinem preisgekrönten Arbeiterdrama die gleichnamige Kurzgeschichte von Clemens Meyer verfilmt.
Mit In den Gängen ist ihm ein leiser, warmherziger, aber doch präziser Film gelungen, der sich respektvoll den Menschen in ihrer Arbeitsumgebung nähert.
Nach dem Film besteht die Möglichkeit zum Gespräch über den Film. Die Moderation hat Peter Dorn. Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen.



  • Plätze freiPlätze frei
  • wenig Plätze freiwenig Plätze frei
  • auf Wartelisteauf Warteliste
  • Beendet bzw. abgesagtBeendet bzw. abgesagt
  • keine Online-Anmeldungkeine Online-Anmeldung