Pfaffenhofen >> Kultur & Kreatives >> Filmkunsttage: Der besondere Film
Bei den Filmkunsttagen der vhs kommen Filme zur Aufführung, die nicht dem "mainstream"-Kino angehören, die in den Filmkritiken zwar als sehr sehenswert eingestuft werden, die aber dennoch nur zum geringen Teil den Weg in die Kinos finden.
Bei guten Filmen lohnt es sich sehr, über sie zu reden. Oft wird man sich erst dann ihrer besonderen künstlerischen Qualität bewusst. Deshalb laden wir nach der Aufführung des Filmes zu einer kleinen Gesprächsrunde im Kino-Bistro ein. Es moderiert Peter Dorn, der zusammen mit Pia Schafft für die Auswahl der Filme sorgt.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Das Vorspiel

Di., 03.03.2020, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 201A5738
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Der Film ist eine deutsch-französische Koproduktion von 2018. Regisseurin ist die auch als Schauspielerin bekannte Ina Weisse.
In diesem psychologischen Drama geht es um eine strenge, ehrgeizige Geigenlehrerin, die sowohl an sich selbst wie auch an ihre Umwelt sehr große Ansprüche stellt, dabei aber unter Versagensängsten leidet. Als Lehrerin an einem noblen Berliner Konservatorium hat sie ein gutes Auge für junge Talente und setzt es durch, dass der neue Schüler Alexander gegen den Rat ihrer Kollegen aufgenommen wird. Mit besonderem Ehrgeiz fordert und fördert sie den Jungen. Damit er die Zwischenprüfung bestehen kann, verlangt sie, dass er auch die schwierigsten Violinstücke mit größter Perfektion spielt. Sie gibt ihm Einzelunterricht und lädt ihn schließlich zu sich nach Hause ein. Dabei treibt sie ihn fast an den Rand der psychischen und körperlichen Erschöpfung. Dies um so mehr, als sie selbst bei einem öffentlichen Konzertauftritt mit ihren Kollegen beinahe versagt hat.
Abseits der Schule findet Anna immer weniger Zeit, sich um ihren Mann Philippe und vor allem um ihren Sohn Jonas zu kümmern. Dieser spielt auch Geige, leidet aber darunter, mit dem Talent Alexanders verglichen zu werden. Er kann mit der schwindenden Aufmerksamkeit seiner Mutter nicht umgehen und will lieber Eishockey spielen. Die Ehe mit Phillip bröckelt, nebenher hat Anna ein Verhältnis mit einem Schulkollegen.
Sie habe eine komplexe, schwierige, aber auch starke Frauenfigur schaffen wollen, sagte die Regisseurin bei einem Interview. Das ihr ohne Zweifel gelungen, vor allem weil Anna von Nina Hoss gespielt wird, die die wechselvolle Gefühlswelt der Figur mit größer Intensität widergibt.
Neben den familiären und beruflichen Verwicklungen thematisiert Das Vorspiel aber auch Fragen von allgemeiner Bedeutung: Welchen Stellenwert hat Leistung in unserer Gesellschaft, was bedeutet es, wenn Perfektion und Selbstoptimierung zur Obsession werden und damit andere zwischenmenschliche Aspekte in die zweite Reihe rücken?

Genre: Charakterdrama, Familiendrama
Herkunftsland/Jahr: D/F 2018
Regisseur: Ina Weisse
Drehbuch: Ina Weisse, Daphne Charizani
Darsteller: Nina Hoss, Ilja Monti, Serafin Mishiev
Länge: 90 Min.

Achtung! Der nächste Termin für die Reihe „Der besondere Film“ ist bereits der Dienstag, der 24.3. 20.00h
Im Rahmen der Wochen gegen den Rassismus wird das Road Movie Green Book, USA 2018, gezeigt.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Green Book

Di., 24.03.2020, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 201A5739
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Im Jahr 1962 engagiert ein kultivierter schwarzer Pianist einen proletenhaften italienischstämmigen Chauffeur für eine Konzerttour durch die US-Südstaaten, wo Rassismus, Diskriminierung und Gewalt gegen Schwarze an der Tagesordnung sind. Die auf einer realen Begebenheit beruhende Tragikomödie skizziert die Annäherung und Freundschaft zweier gegensätzlicher Charaktere, ohne die bitteren Seiten, Zynismus, Hass und Häme, zu unterschlagen. Das von zwei herausragenden Darstellern und einem warmherzigen Humor getragene Road Movie skizziert einen Lernprozess in beide Richtungen, der Aktualisierungen meidet, aber die Verachtung des schwarzen Körpers schmerzhaft spürbar macht.
Nach der Vorstellung besteht die Möglichkeit, über den Film und seine Thematik zu sprechen.
Frau Rieger, Ausländerbeauftragte der Stadt, wird dabei anwesend sein. Interessierte sind zu dem Gespräch herzlich eingeladen.
USA 2018
Regie Peter Farrelly
Darsteller u.a.: Viggo Mortensen, Mahershala Ali
Länge 131 Min.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Ein Licht zwischen den Wolken

Di., 05.05.2020, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 201A5740
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Film im Rahmen der Interkulturellen und Interreligiösen Wochen Pfaffenhofen
Als ein Hirte in seinem albanischen Bergdorf, in dem Muslime und Katholiken zusammenleben, unter dem Putz der Moschee ein Christusbild entdeckt, gerät der Dorffrieden in Gefahr. Auch muss sich der fromme Mann mit seinen fernab lebenden Geschwistern auseinandersetzen, die mit der Aussicht auf den nahen Tod des Vaters ihre Ansprüche auf dessen Haus geltend machen. Mit atemberaubend schönen Bildern und langen, ruhigen Einstellungen beobachtet das dialogarme Drama die Meinungsverschiedenheiten und vermittelt über den Dorf-Mikrokosmos die schwierigen Prozesse, die am Beginn jeder religiösen Toleranz stehen. Der in sich gekehrte Hirte entpuppt sich in dem zutiefst humanistischen Film als Vermittlerfigur, der dem Konfliktpotenzial seine Güte und die Sehnsucht nach Liebe entgegenhält.
Nach dem Film besteht die Möglichkeit zum Gespräch über den Film. Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen.
Albanien 2018
Regie und Drehbuch: Robert Budina
Länge 84 Min.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag

Di., 26.05.2020, 20:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 201A5741
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

In der vhs-Filmkunst-Reihe "Der besondere Film" kommen in Zusammenarbeit mit dem CineradoPlex Pfaffenhofen Filme zur Aufführung, die nicht dem "mainstream"-Kino angehören, die in den Filmkritiken zwar als sehr sehenswert eingestuft werden, die aber dennoch nur zum geringen Teil den Weg in die Kinos finden.

Bei guten Filmen lohnt es sich sehr, über sie zu reden. Oft wird man sich erst dann ihrer besonderen künstlerischen Qualität bewusst. Deshalb laden wir nach der Aufführung des Filmes zu einer kleinen Gesprächsrunde im Kino ein. Es moderiert Peter Dorn, der zusammen mit dem Kinobetreiber Peter Schafft für die Auswahl der Filme sorgt.

In der Regel läuft der "Besondere Film" immer am ersten Dienstag eines Monats.
Um die Aktualität des Programms zu erhöhen, stehen nur die Titel der ersten Filme fest. Welche weiteren Filme in der Reihe gezeigt werden, entnehmen Sie bitte der Tagespresse.

Beendet bzw. abgesagt Filmkunst-Tag: Parasite

Fr., 10.07.2020, 19:00 Uhr, in Pfaffenhofen − Kurs-Nr. 201A5742
Dozent: Peter Dorn (Moderation)

Das südkoreanische Kino erlebte in den 90iger Jahren einen künstlerischen Aufschwung, der bis heute anhält. Die Autorenfilmer sind auch bei uns im Westen mittlerweile recht bekannt. Als Beispiele sind zu nennen: Park Chan Wook oder Kim Ki Duk, von dem einige seiner Filme in unserer Reihe liefen.
Der heute 50jährige Bong Joon-ho ist einer der Erfolgreichsten unter ihnen, 2013 hatte er sich mit dem sozialkritischen Science-Fiction- Film Snowpiercer auch im Westen einen Namen gemacht: Da fährt ein endlos langer Zug durch eine tiefverschneite Landschaft, vorne sitzen die Reichen, die alles haben und hinten die Armen, die um jedes Stück Brot kämpfen müssen.
Nun hat er erneut einen Film vorgelegt, der mittlerweile eine Fülle von Auszeichnungen erhalten hat und dieses Jahr als bester Film des Jahres überhaupt mit dem „Oscar“ ausgezeichnet wurde.
Auch in diesem Gesellschafts- bzw. Familiendrama geht es – wie der Titel schon erahnen lässt – um die Unterschiede zwischen Arm und Reich und die Frage, ob und wie ein Aufstieg in einer kapitalistischen Gesellschaft möglich ist. Der Film spielt in Südkorea, das in den letzten Jahrzehnten einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung erlebt hat und ganz von der westlichen Lebenswelt, wie wir sie kennen, durchdrungen ist.
Zwei Familien stehen im Mittelpunkt: Da ist die Familie Kim. Sie ist ganz unten angekommen: Vater, Mutter, Sohn und Tochter hausen in einem grünlich-schummrigen Keller, kriechen für kostenloses W-LAN in jeden Winkel und sind sich für keinen Aushilfsjob zu schade.
In der gleichen Stadt, aber unendlich weit von ihnen entfernt auf einer Anhöhe mit Blick über die Stadt wohnt die neureiche Familie Park, bestehend aus Vater, einem Workaholic, und einer gut aussehenden Mutter. Sie haben ebenfalls zwei Kinder. Insgesamt Angehörige der modernen Elite in einer Metropole. Ihre Villa ist weitläufig nach westlichem Muster eingerichtet. Natürlich haben sie Bedienstete, die alle Arbeit für sie erledigen.
Durch einen Freund gelingt es Ki-woo, dem Jüngsten der Kims, eine Anstellung als Nachhilfelehrer für den schwierigen Sohn der Parks zu bekommen. Das dafür benötigte Uni-Diplom hat ihm seine Schwester geliefert, die Urkunden täuschend echt nachmachen kann. Ki-woo erfährt, dass Parks Sohn gerne malt und es gelingt ihm, die Familie davon zu überzeugen, eine Kunstlehrerin anzustellen. Er bringt dafür seine Schwester mit, die freilich keinerlei berufliche Vorbildung hat, aber durch ihr sicheres Auftreten das Vertrauen der Eltern gewinnt.
Mit weiteren findigen Tricksereien, bemerkenswertem Talent und großem Mannschaftsgeist gelingt es allen Kims, sich bei den Parks anzudienen, so dass die bisherigen Bediensteten der Familie nach und nach entlassen werden. Bald schon sind sie unverzichtbar für ihre neuen Herrschaften. Doch dann löst ein unerwarteter Zwischenfall eine Ereigniskette aus, die so unvorhersehbar wie unfassbar ist…
Man könnte nun erwarten, dass Parasite ein sozial-anklägerischer Film ist, der die krassen wirtschaftlichen Ungleichheiten aufs Korn nimmt, wie sie sich nicht nur in Südkorea, sondern in der ganzen westlichen Welt herausgebildet haben. Armut und Reichtum ist ja der grundlegende Unterschied bei den beiden Familien, die sonst ganz ähnlich strukturiert sind.
Klar, die Kims sind Parasiten, aber der Regisseur zeigt genau so deutlich, dass auch die Parks mit ihrem großen Wohlstand langst parasitär geworden sind. Ist nicht auch die westliche Welt längst parasitär?
So ist der Film eine Parabel über unterschiedliche Lebensverhältnisse. Schon die Namen Kim und Park gelten in Südkorea als Allerweltsnamen.
Aber Bong Joon-ho will nach eigener Aussage vor allem unterhalten.
Alle seine Figuren werden würdig behandelt und kommen zu ihrem Recht, was den Film gerade dadurch umso eindrücklicher macht.
Parasite ist ein echtes Vergnügen, voller Überraschungen, oft komisch, mit manchmal etwas düsteren Humor. Dem Regisseur ist eine meisterhafte Inszenierung gelungen. Das großartige Schauspielerensemble, die hervorragende Kameraarbeit und die passende Musik tragen nicht wenig dazu bei. Das alles macht den Film zu einem echten Kinoerlebnis.
Nach der Vorstellung besteht die Möglichkeit zum Gespräch. Interessierte sind dazu recht herzlich eingeladen.

Genre: Tragikomödie, Gesellschaftssatire, Parabel
Herkunftsland/Jahr: Südkorea 2019
Regisseur: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon,ho, Han Jin-won
Darsteller: u.a. Song Kang-ho
Länge: 132 Min.



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